Stiftung Warentest schreibt:

"HDTV-Bilder wirken bei geringen Betrachtungsabstand am besten." Deshalb wurde für den HDTV-Sehtest der Abstand auf das 1,5fache der Diagonalen reduziert. Für 80 cm Geräte sind das 1,20 Meter. "Aus diesem Abstand ist die Zeilenstruktur der Geräte nicht mehr sichtbar. Wer als Betrachtungsabstand das 2,5 bis 3,5fache der Diagonalen (eines 16:9 Fernsehers) wählt, (...) verschenkt diesen Vorteil." Die feinerern Strukturen von HDTV lassen sich allenfalls erahnen. Üblich ist ein Betrachtungsabstand vom 4fachen der Diagonalen eines 16:9 TVs.

Fazit der Stiftung Warentest:

"Die besten Bilder bietet HDTV auf einem hochauflösenden LCD-Schirm bei geringem Betrachtungsabstand. Bei normlen Abstand gewinnt DVB-T. Beim (analogen) PAL Fernsehen punkten die Röhrenfernseher von Metz und Phillips."*

HDTV Fans führen an, dass mit HDTV in der 720 Zeilen Auflösung auch 50 Vollbilder statt 50 Halbbilder übertragen werden können. Aber auch PAL kann Vollbilder leicht darstellen, wenn das Ausgangsmaterial, wie bei allen Spielfimen, aus Vollbbildern besteht. Diese werden in zwei Halbbilder zerlegt gesendet und können dann vom Fernseher recht problemlos ohne neue Bildpunkte errechnen zu müssen in Vollbilder zurückverwandelt werden. Das nennt sich PAL psF. Mittlerweile können auch viele Fernseher Halbbilder gut in Vollbilder umrechnen. Schon ab 16 Bilder in der Sekunde wird eine dargestellte Bewegung als flüssig wahrgenommen. Im Kino werden 24 Vollbilder in der Sekunde projeziert. Mit PAL lassen sich, wie mit HDTV in der 1080 Zeilen Auflösung, 25 Vollbilder oder 50 Halbbilder darstellen. 50 Vollbilder in der Sekunde zu übertragen hat nur bei sehr schnellen Sportarten wie Tennis einen leichten Vorteil. Der große Nachteil des 720p genannten Formats: mit der gleichen Datrenrate könnten auch 2 Programme in gleicher Qualität übertragen werden.

In der Realität werden die Sender, die schon jetzt an jeder Datenraten für PAL geizen, HDTV bestimmt nicht in bester Qualität senden. Im Vergleich zu einer guten PAL Qualität läßt sich aber selbst mit bester HDTV Qualität allenfalls eine minimale Bildverbesserungen erreichen, die von den meisten Betrachtern nicht einmal im direkten Vergleich gesehen werden. Mit einer Erhöhung der Datenraten und dem senden des 16:9 Formats in voller PAL Auflösung läßt sich hingegen die Bildqualität ganz ohne HDTV deutlich bessern. Auch Tony Graziano, Technischer Direktor bei EICTA, die das HD ready Logo vergiebt, spricht nur von DVD Qualität, die mit HDTV zu erreicht werden soll. Das geht aber für die Zuschauer und die Sender auch günstiger. Andere Eindrücke resultieren aus dem Vergleich einer guten HDTV mit einer schlechten PAL Qualität, die auch auf die bislang häufig schlechte PAL Qualität der HDTV Fernseher zurückzuführen ist.

Für wen lohnt sich HDTV?

Spielkonsolenbesitzer spielen meist aus einem recht geringen Abstand zum Fernseher. Daher lohnt sich eine HD Konsole für sie. Richtig profitieren werden Gamer, die Unterhalb des 2fachen der Diagonalen eines 16:9 TVs spielen. Fernsehen schauen Gamer aber aus einem weit höherem Abstand, so dass sie HDTV Sendungen oder HD-Diskformate nicht brauchen, wenn die PAL Qualität des HDTV Fernsehers stimmt. Einen Kopiergeschützten HDTV Fernseher brauchen sie auch nicht, da die Spielkonsolen keinen HDMI Ausgang haben werden.

Da wären noch die Beamerfreaks. Die schauen aber auch fast nur DVDs via Beamer. Da es bald hochauflösende Disk Formate zum Ausleihen in der Videothek oder zum Kauf gibt, brauchen sie also HDTV auch nicht wirklich. Und HD gibt es ja jetzt schon auf der DVD im MPEG4 Format (WMV-HD), so dass die neuen Disk-Systeme Blu-Ray und HD-DVD überflüssig sind. Da HDCP Fernseher und HDCP PC Monitore nicht verbreitet sind, soll bis 2010 die HDTV Auflösung auch analog ausgegeben werden und noch bis 2013 die PAL Auflösung. Ein ähnlicher "Fahrplan" ist für das Fernsehn vorstellbar. Ab 2013 kann es sein, dass HD-DVD oder Blu-Ray Filme erst anzuschauen sind, wenn zuvor online eine Erlaubnis eingeholt wird. Auch sonst sind eine ganze Menge "DRM Spezialitäten" vorgesehen (siehe Links in den Quellen). Daher gibt es einige Boykottaufrufe. U.a. von der PC Welt und von Mike Evangelist, Ex-Director of Product Marketing bei Apple.

Für Leute, die unbedingt aus nächster Nähe an großen PC Monitoren zuschauen wollen, gilt das gleiche wie für Beamer-Fans. HD hat auf 17 und 19 Zoll 4:3 Monitoren deutliche Vorteile gegenüber PAL 4:3 oder 16:9 Letterbox. Bei anamorphen PAL 16:9 können die 4:3 PC Monitore aber, anders als 4:3 Fernseher, alle 576 Zeilen darstellen, so das hier HDTV auch keine wirklichen Vorteile bringt.

HDTV ist sicher auch interessant für alle ambitionierten Hobbyfilmer, die ihren Film auf Beamern betrachten möchten. Für das normale Fernsehen ist HDTV aber im höchsten Maß unökonomisch und letztlich für die Sender und die Zuschauer nichts weiter als Verschwendung von teuren Datenraten, die wir Verbraucher letztlich durch höhere Rundfunkgebühren und Preisaufschläge auf beworbene Waren zu zahlen hätten.

Statt einen neuen HDTV Fernseher zu kaufen kann auch ein erlebnisreicher Urlaub mit der Familie verbracht werden. Im Fernsehen werden Sie sicher nichts verpassen, denn HDTV macht das Programm sicher nicht besser oder schlechter. Und auch Technik-Begeisterte werden wohl einräumen, dass es doch wesentlich mehr auf den Inhalt ankommt.  Ein guter Film ist ein guter Film. Und Fußball-Fans hoffen auf eine spannende WM. Ganz gleich wer gewinnt. Die Fans der Mannschaft werden mitgerissen, ob sie nun in HDTV oder auf einem Schwarz-Weiss Fernseher in 4:3 oder in 16:9 zuschaun.

Wie waren doch alle von VHS Format begeistert als es endlich möglich wurde die Lieblingssendung aufzunehmen. Der VHS Recorder könnte in Zukunft ausgediehnt haben. Zum HDCP Kopierschutz schreibt AOL: " Es bleibt zu hoffen, dass nicht das gesamte Programm vom Kopierverbot betroffen sein wird"

Hat HDTV eine Zukunft?

HD Nischen gibt es genügend. Die Umstellung des Fernsehprogramms auf HDTV macht aber nur Sinn, wenn sich massenhaft die Sehgewohnheiten ändern würden. Das sich die Betrachtungsabstände in Relation zur TV Größe gravierend ändern werden, ist aber auch langfristig eher unwahrscheinlich: Schließlich sind im Kino schon immer die hinteren Plätze die beliebtern gewesen.

* Weitere Informationen und Quellen

* Stiftung Warentest, Heft Nr. 5 2006, Seite 55  / Die gemachten Angaben zur Bildhöhe wurden in Angaben zur Diagonalen eines 16:9 TVs umgerechnet

 

 



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